The Resource

Keys, June 2006
www.keys.de

"The Resource stellt zu einem günstigen Preis das wunderbar breite Spektrum von vier Librarys zur Verfügung mit denen man nächtelang experimentieren kann."


Wenn man als Audio-Loop heutzutage konkurrenzfähig sein will, darf man sich nicht auf etwas mehr auf Tonhöhe und Tempo versteifen. Es bedarf einer gewissen Elastizität.

Ueberschall hatte das Thema Loop-Player mit den PlugIns der ULP-Serie beherzt und praxisnah angepackt. Mit vielseitigen Sample-Content, ausgerichtet auf jeweils eine Instrumentensparte und einer übersichtlichen Player-Engine fanden die vier PlugIns VLP120, PLP120, VCP120 und BPM120 viel Zuspruch. Doch in einigen Punkten zeigten sich auch Schwächen, denn die Loops waren durchweg mit 120 BPM aufgenommen worden. Zwar ließen sie sich mit Timestretch- und Pitch-Parametern umrechnen, jedoch nahm das aufgrund der hochwertigen Algorithmen einige Zeit in Anspruch, besonders wenn ein ganzes Loop-Set gewandelt wurde. Und da auch im Musikstudio das Motto „Time is Money“ gilt, sind solche Betriebsbremsen nicht gern gesehen.

Ueberschall hat nun darauf reagiert und die ULP-PlugIns überarbeitet. Dabei handelt es sich nicht ein Update Marke 2.0, sondern um eine fast vollständige Neuentwicklung. Zwar wurde das Grundkonzept beibehalten und auch das GUI sieht dem Vorgänger ähnlich, unter der Haube steckt aber eine neue Engine mit wesentlich mehr Power.

Außerdem hat Überschall sich zu einer Produktlinien- Schlankheitskur entschieden. Wie schon beim L.I.S.-PlugIn (KEYS-Sampleplayer des Jahres) gibt es nur noch einen Player, welcher alle erhältlichen und zukünftigen Librarys verwaltet. Dieser Player wurde Elastik getauft, was andeutet, dass man den Fokus hier auf flexiblen Umgang mit Loops legt.

 

Der Player

 

Die Bedienoberfläche von Elastik wurde übersichtlich und funktionell gestaltet. Blickfang ist das so genannte Loop-Eye, eine visuelle Navigationshilfe der Samples, deren kreisförmige Gestaltung das Thema Loop unterstreicht. Mit zwei Marker werden hier Start- und Endpunkt des Samples festgelegt. Ausgerichtet an einer Snap- Quantisierung lassen sich die beiden Marker zwischen ganzem Takt bis hinunter zu 1/32tel verschieben. Zusätzlich gibt es noch fünf Grain-Einstellungen für Feinjustierungen. Möchte man nur einen Ausschnitt nutzen, kann man mit Snap und den beiden Markern ein Sample schnell und zielsicher eingrenzen. Diese Einstellungen sind nicht zwangsläufig statisch, sondern können auch per MIDI- Controller gesteuert werden.

Auf der linken Seite des GUI werden die Abspielparameter der Samples eingestellt. Diese Abteilung unterscheidet sich nur wenig von dem alten ULP-Interface, jedoch kommt hier eine gänzlich andere Technik zum Einsatz: Für die Umrechnung ist ein Z- Plane-Algorithmus zuständig, der unter anderem auch von Firmen wie Ableton, Steinberg und Bias eingesetzt wird. Und der Vorteil wird sofort deutlich - es geht blitzschnell. Benötigte das alte PlugIn für einen zweitaktigen Loop gern mal rund 15 Sekunden zur Umrechnung, geschieht dies nun im Handumdrehen. Soll ein ganzes Loop-Set im Tempo verändert werden, braucht es zwar einen kurzen Moment, jedoch ist der Zeitgewinn gegenüber früher beträchtlich und man bewegt sich qualitativ auf gleich hohem Niveau. Zusätzlich liegt die mögliche Tempo-Range mit 10 bis 480 BPM nun deutlich höher. Auch beim Parameter Pitchchange kann man sich entsprechender Algorithmen bedienen, je nachdem ob man perkussives oder tonales Material bearbeitet. Alle Einstellungen und Operationen können individuell oder gruppiert an mehreren Samples durchgeführt werden.In der „Multi Tool Area“ findet die Klangbearbeitung statt. Wichtigstes Tool ist das Multimode-Filter, welches über High-, Band-, Lowpass und Notch mit Flankensteilheiten von 12 bis 72 dB verfügt. Zurzeit ist es eher für statischen Einsatz gedacht, da es weder einen LFO noch eine Hüllkurve gibt. Die Multi Tool Area ist allerdings erweiterbar, so dass solche Features in Zukunft durchaus nachgereicht werden könnten. Für die Lautstärke der Samples ist bereits eine Hüllkurve vorhanden. Momentan ist man für Filterfahrten auf die Automation des Host- Sequencers oder die Steuerung mit MIDI-Controllern angewiesen. Deren Zuweisung erfolgt über eine Learn-Funktion.

Eine neue Funktion ist der Map Mode, bei dem das Mapping von Samples automatisiert wird. Hat man sich einen Loop auserkoren und möchte ihn in einzelnen Abschnitten auf mehrere Tasten verteilen, um diese unterschiedlich zu triggern, braucht man dies also nicht mehr manuell zu tun. Anhand der Snap-Skale wird der ausgewählte Loop zerteilt und auf den User-Bereich der Tastatur abgelegt. Ähnlich verfährt Map im Chromatic Mode, bei dem eine tonale Phrase automatisch eine Oktave aufwärts umgerechnet wird. Mit diesen praktischen Funktionen wird dem User viel Arbeit abgenommen.

 

Der Content

 

Wie oben bereits erwähnt, dient ein einziger Elastik-Player zur Verwaltung sämtlichen Überschall-Librarys. Erwirbt man seinen ersten Teil wird zunächst der Player installiert, dann die Library freigeschaltet (Challenge/Response). Von weiteren Titeln wird also nur der Sample-Content hinzugefügt.

Die Verwaltung im PlugIn erfolgt über ein fixes gut zu bedienendes Drop-Down-Menü, bei dem man erst den Titel und dann die Unterordner aufrufen kann. Nur an einigen Stellen wirkt dieses System ein wenig zu verschachtelt.

„The Resource“ bietet den Inhalt der vier alten ULP-Titel. Das sind rund 10 GB Sounds, über 11.000 Loops und 4.500 Singlesounds (Drums und Percussions). Das Material wurde durchweg von versierten Studiomusikern eingespielt. Die ein- bis viertaktigen Loops decken ein breites Spektrum an Musikstilen ab, jedoch alles mit moderner Ausrichtung. Da wir die einzelnen Titel bereits seinerzeit in KEYS vorgestellt hatten, hier nur eine kurze Zusammenfassung.

BPM120 bietet Drum- und Percussionloops für Funk, House, Pop, Rock, D’n’B, 2-Step, BigBeat, Breakbeat und ähnliches. Die teils handgetrommelten, teils programmierten Loops wurden ziemlich druckvoll abgemischt. Der Sound ist abwechslungsreich mit Akustik-, Analog-, Vinyldrums und Worldpercussions. In der Regel gibt es zu jedem Loop Variationen, Breaks und Singlesounds, so dass problemlos ein komplexer Rhythmustrack aufgebaut werden kann.

PLP120 versammelt für die „Percussive Live Performances“ Trommeln aus aller Welt. Hier trifft man auf Schlagwerk wie Tabla, Darbuka, Bata Drum, Djembe, Repique, Timbaleta, Guiro, Surdo, Agogo, Cuica. Viele Loops wurden mit Effekten und Filtern markant bearbeitet, was ihnen einen eher untypischen Sound verleiht, sich für den Einsatz in Dance- und Pop-Produktionen aber bestens eignet. Die Auswahl an Single- Sounds ist leider etwas klein geraten.

VCP120 bringt über 2.100 „Chord Progressions“ Akkordfolgen aufs Tableau. Hauptsächlich ohne strikte Quantisierung eingespielte Phrasen von Vintage- Instrumenten wie E-Pianos, Clavinets und Analogsynthesizern liefern das richtige Background-Material für Black-Music und Dance-Tracks. Jede der Akkordfolgen wurde mit rhythmischen Variationen aufgenommen. Die zunächst unspektakulär klingenden Phrasen entfalten ihre Qualität oft erst im Zusammenspiel mit Drums und weiteren Instrumenten.

Die „Vintage Licks & Phrases“ von VLP120 sind das melodische Gegenstück zu den Chord Progressions. Mit größerem Instrumentarium, von Bass über Guitar, diverse Keyboards und verschiedene Solo-Bläser, hat man unzählige Licks und Hooks zur Verfügung, die sich gut kombinieren lassen. Meist gibt es mehrere zusammengehörige Phrasen, so dass man auch ohne Slicing bereits abwechslungsreiche Passagen bilden kann.

Zwar wurden die Loops aller vier Titel ursprünglich mit 120 BPM aufgenommen, jedoch lässt sich das Material auch unter- und oberhalb dieser Marke gut einsetzen.

Mit dem Elastik-Player hat Ueberschall ein sinnvolles Gegenstück zum Solo- orientierten L.I.S.-PlugIn (Ueberschall Liquid) geschaffen. „The Resource“ macht dabei einen Content-gewaltigen Anfang, der besonders als Update für ULP-Besitzer sehr attraktiv ist. Wichtiger scheint allerdings die Aussicht auf die künftigen Librarys, die insgesamt eine noch größere Bandbreite versprechen, da sie sich jeweils individuellen Stilen konsequent widmen.

Der Zugewinn auf der technischen Seite spiegelt den Produktionsalltag wieder. Durch die erhöhte Prozessgeschwindigkeit und Funktionen wie dem Map Mode wurde der Workflow entschieden verbessert. Nicht zu vergessen ist auch der Stand-Alone- Version, die es erlaubt, Loops modifiziert oder im Originaltzustand zu exportieren. Damit können etwa auch Reason-User die Elastik-Loops einsetzen.

Wer gern mit Loops arbeitet, egal ob einfaches Abspielen oder kreatives Manipulieren, kann mit einem Erwerb von Elastik kaum etwas falsch machen. „The Resource“ stellt zu einem günstigen Preis das wunderbar breite Spektrum von vier Librarys zur Verfügung mit denen man nächtelang experimentieren kann. Wer es spezifischer mag, kann auf einen der nächsten Titel warten die Ueberschall, ähnlich wie bei L.I.S., in kurzen Abständen veröffentlichen möchte. 

der Jim