Soundscapes

Bonedo.de, August 2012
www.bonedo.de

"Das Material wirkt dabei durchweg inspiriert und hochwertig (…)"

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Klanglich in ähnlichen Gefilden angesiedelt und daher auch als sinnvoller Counterpart zu Score-FX zu sehen, ist die von Marc Steinmeier produzierte Library „Soundscapes“. Der Fokus liegt auf kompletten Kompositionen, die in 24 Construction Kits bereitgestellt werden. Jede dieser Kompositionen ist in Intro/Outro (beinhaltet die passende Intros und Outros), Main Kit (beinhaltet den Hauptteil mit all seinen Sounds und Themen) und Drum Shots (beinhaltet die Single-Shots und bietet dadurch die Möglichkeit eigene Drum-Variationen zu erstellen) aufgeteilt. Intro, Outro und Main Kit liegen wiederum komplett als Einzelspuren vor, was – hat man ein thematisch passendes Kit gefunden – umfassende Möglichkeiten offen hält, um eigene Variationen des Stückes zu konstruieren. (...)

Die klangliche und thematische Ausrichtung dürfte klar geworden sein: Die ganze Sache spielt irgendwo in der Zukunft, in einem verlassenen Raumschiff, vielleicht auch in einem kontaminierten Labor oder einer nebeligen Felsenlandschaft, vielleicht aber auch in einem Tempel einer längst untergegangenen Zivilisation - der in manchen Stücken hörbare vokale Ethno-Einschlag macht das auf jeden Fall möglich. Manche Tracks dürften auch in einem Chillout-Areal nicht unangenehm auffallen. Dabei liefert Soundscapes im Vergleich zu Score-FX die kräftigeren, emotionaleren Melodie- und Harmonieverläufe – was naturgemäß den Wiedererkennungswert steigert. Sein Pendant bleibt da etwas diffuser und wirkt dadurch etwas weniger schnell „verbraucht“. 

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Score-FX und Soundscapes sind sicher keine Universalwerkzeuge zur Film-, Games- und Multimedia-Vertonung, sondern vermitteln eine weitgehend elektronische, oft elektro-akustisch wirkende Klanganmutung, die sich im Bereich des Düsteren, Futuristischen und Spannungsgeladenen bewegt. Das Material wirkt dabei durchweg inspiriert und hochwertig, wobei Soundscapes den Focus mehr auf den kompletten, direkt in die Produktion einpassbaren Score legt. Score-FX hingegen ist etwas weiter gefasst ist, sodass sich das Audiomaterial beispielsweise auch für die Unterfütterung eines sinisteren Dubstep-Tunes bestens eignet. Hier machen dann auch die Möglichkeiten zur Klangmanipulation im Elastik 2 Player richtig Spaß. Klanglich sind beide Libraries auf technisch hohem Niveau angesiedelt – nämlich produktionsfertig. Das bedeutet aber auch, dass fast alle Samples in Bezug auf Effekte und Dynamik weitgehend saturiert sind, Raum für eigene Anpassungen ist da dann leider nicht mehr viel. Der neue Elastik 2 Player – grundsätzlich ein gut klingendes, praxisgerechtes Tool zum Abfeuern von Samples - ist in diesem Kontext als Abspielstation eher ungeeignet, denn da sich viele der Klangminiaturen oft über Minuten entwickeln, macht es das Triggern über MIDI-Noten erforderlich, zur Feinpositionierung jedes Mal an den Anfang der Note zu navigieren – nervtötend. Gut also, dass sich die gesamten Libraries über die Export WAV-Funktion auch als Audio-Rohdaten auf die Platte verfrachten lassen und dann mit den Bordmitteln der DAW zurecht gerückt werden können.
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Bewertung: 4/5
Christian Kalinowski