Score FX

Bonedo.de, August 2012
www.bonedo.de

"Das alles klingt inspiriert, hochwertig und produktionsfertig (...)."

Score-FX umfasst 28 Construction Kits und darüber hinaus 954 Accents und Hits, 198 Beds und 362 Rhythm Phrases, die dank der kompletten Verschlagwortung der Library sehr schnell auffindbar und thematisch kombinierbar sind. Die Sounds und Kompositionen stammen aus der Feder von Ilya Kaplan, einem kanadischen Komponisten und Sounddesigner der hörbar gute Arbeit geleistet hat. Grundsätzlich ist der Gesamtklang der Library als elektronisch, teilweise als elektroakustisch zu bezeichnen. Wer also auf der Suche nach einem natürlichen, symphonischen oder auch akustischen Klangkörper ist, darf an dieser Stelle ohne Punktabzug weiter scrollen. (...)

Noch deutlicher wird der klangliche Tenor, der eher im Bereich der elektronischen Klangerzeugung liegt, wenn man sich die Beispiele aus den Kategorien Accents anhört, die entsprechende Gruppennamen wie Answer, Creature, Brassy oder auch Low und Mysterious tragen.

Auch die etwas längeren Passagen – Beds genannt, sind mit Kategorien wie Scary, Dark, Drony, Mystery Question und Sad eindeutig bezeichnet.

Das alles klingt inspiriert, hochwertig und produktionsfertig – dürfte allerdings ob seiner eher elektronischen, tendenziell etwas düsteren, manchmal auch futuristischen Ausrichtung für bestimmte Produktionen nicht infrage kommen. Ungeeignet halte ich die Library für den Einsatz bei Spots für Hersteller von Frühstückszerealien, die auf die ökologisch einwandfreie Qualität ihres Korns abzielen wollen, ebenso wie für Filmbeiträge, die sich mit der intakten Fauna Finnlands beschäftigen. Auch Hersteller von kindgerechten Computerspielen, ebenso wie Produzenten von Werbespots für Banken, Körperpflegeprodukte und Bausparkassen, dürfte hier wohl nicht fündig werden. Anders sieht es aus, wenn es darum geht, beispielsweise die Vorzüge eines muskulösen KFZ anzupreisen, das zunächst nur dadurch erkennbar ist, dass sich sein gleißend blaues Xenon-Licht durch mysteriös wabernde Nebelschwaden fräst. Auch in interstellaren, tiefenpsychologischen oder unterseeischen Abgründen, gerne auch in Verbindung mit Monstern, Hexen oder Zombies – ersatzweise auch eine zur Hälfte wahnsinnig gewordene Mannschaft – kann die Library punkten. Und klar, dass das auch bestens in Computerspielen funktioniert.

Score-FX und Soundscapes sind sicher keine Universalwerkzeuge zur Film-, Games- und Multimedia-Vertonung, sondern vermitteln eine weitgehend elektronische, oft elektro-akustisch wirkende Klanganmutung, die sich im Bereich des Düsteren, Futuristischen und Spannungsgeladenen bewegt. Das Material wirkt dabei durchweg inspiriert und hochwertig, wobei Soundscapes den Focus mehr auf den kompletten, direkt in die Produktion einpassbaren Score legt. Score-FX hingegen ist etwas weiter gefasst ist, sodass sich das Audiomaterial beispielsweise auch für die Unterfütterung eines sinisteren Dubstep-Tunes bestens eignet. Hier machen dann auch die Möglichkeiten zur Klangmanipulation im Elastik 2 Player richtig Spaß. Klanglich sind beide Libraries auf technisch hohem Niveau angesiedelt – nämlich produktionsfertig. Das bedeutet aber auch, dass fast alle Samples in Bezug auf Effekte und Dynamik weitgehend saturiert sind, Raum für eigene Anpassungen ist da dann leider nicht mehr viel. Der neue Elastik 2 Player – grundsätzlich ein gut klingendes, praxisgerechtes Tool zum Abfeuern von Samples - ist in diesem Kontext als Abspielstation eher ungeeignet, denn da sich viele der Klangminiaturen oft über Minuten entwickeln, macht es das Triggern über MIDI-Noten erforderlich, zur Feinpositionierung jedes Mal an den Anfang der Note zu navigieren – nervtötend. Gut also, dass sich die gesamten Libraries über die Export WAV-Funktion auch als Audio-Rohdaten auf die Platte verfrachten lassen und dann mit den Bordmitteln der DAW zurecht gerückt werden können. 

Bewertung: 4/5

Christian Kalinowski